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10. Station | Cingetorix, König der Treverer & der keltische Krieg

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Cingetorix König der Treverer berichtet über den Krieg und Bad Waldsee. Die zehnte Station der Oberschwäbischen Keltenstraße befindet sich bei der evangelischen Kirche in Bad Waldsee.

Hier zunächst die Stationsbeschreibung, weitere Information findet man dem Link folgend: „Ursprung der Namen der Stadt Bad Waldsee„. Etwas ausführlicher nun:

Was war hier? Keltischer Ort und vermutete Fluchtburg

Ort und Lage: Hinter der evangelischen Kirche, 88339 Bad Waldsee | GPS-Daten: 47.923489,9.751465

Beschreibung:

Die Stadt Bad Waldsee heißt nicht schon immer so, der Ursprung des Namens kommt von Walahse und dessen Ursprung deutet auf die Kelten und die alten Germanen hin. Einer Theorie nach waren die von den Germanen ualhaz später Walha benannten Kelten, die Tectosagen. Was  übersetzt, „die nach einer Heimat suchen“ oder „einer Spur folgen“ heißt. Die Tectosagen oder Volcae hatten eine intensive Beziehung zum Wasser, gut denkbar, dass sie nur am Wasser siedelten, wie vielleicht hier am Stadtsee in Bad Waldsee.

Sie hatten bei den Germanen eine äußerst positive Bedeutung und wurden als gute Krieger respektiert.

Übrigens erhielt die Stadt das Prädikat “Bad” erst im Laufe des 20. Jahrhunderts, vorher war der Name der Stadt schlicht “Waldsee”.

Die Kelten hatten wenig Erfolg im Kampf gegen die Römer und wurden besiegt. Von Norden her kamen die Germanen und bedrängten die Kelten ebenfalls um ihr Gebiet. Unter den germanischen Stämmen die ins heutige Oberschwaben vordrangen, waren auch die Suebi – ein Stamm von der Ostsee, den man später als Schwaben kennen würde.

Die Kelten waren also vom Süden und vom Norden her in Kämpfe ihr Gebiet betreffend verwickelt. Die Germanen, zu denen vor allem auch die Sueben zählten, drangen von Norden immer tiefer in das Gebiet der Helvetier – so einer der vier  großen keltischen Stammesverbände. Andere waren die Boi (daraus entstand auch das heutige Wort der Bayern) und die Vindelici aus dem  Allgäu und die von den Römern benannten Belgae, die teils auch germanisch waren. Die Kelten wollten also nach Süden ziehen, wo sie aber von den Römern zurückgedrängt wurden. Und es gab noch den Stamm der Tectosagen, die wohl mit den Volcae gleichzusetzen sind.

Auch die Schweiz hat bis heute etwas mit den Helvetiern in ihrer Tradition. Denn zurück konnten sie nicht, da sie verbrannte Erde zurückließen, vermutlich weil  1. um einen Grund haben loszuziehen und zum 2. damit die anrückenden Germanen sich nicht ins gemachte Nest setzen konnten. Damals nannte man diese Gegend die Helvetische Einöde. Vielleicht war es auch eine Krankheit, die die Bevölkerung dezimierte. Ob Oberschwaben ebenfalls zu den Helvetii gehörte, ist nicht klar.

Der Name der Stadt Bad Waldsee deutet auf eine keltische Siedlung. Die Germanen bezeichneten die Kelten als Walah oder später auch Walch oder Welsch. Auch das heutige Wales in Großbritannien hat seinen Namen daher. Waldsee sagt also aus, dass die Germanen dort ein Lager der Kelten erspähten. Waldsee heißt also nichts anderes als ein Lager der Kelten am See, vielleicht der Tectosagen. Diese kamen ursprünglich aus dem Norden und vereinten sich vielleicht mit den Helvetiern oder folgten ihnen in den Süden.

Es gibt auch einige Belege, abgesehen vom Stadtnamen, die belegen, dass die Kelten hier siedelten. Die Ortschaft dürfte also schon viel länger existieren, als 330 n. Chr., wie dies eine Legende der Stadtgründung durch Emerius erzählt.

Der ursprüngliche Lagerplatz war wohl zwischen den beiden Seen von Bad Waldsee, also auch dort wo das Zentrum jetzt ist. Damals dürften die Gewässer ausgebreiteter gewesen sein, als dies jetzt der Fall ist. So ist der Klosterhof damals noch unter Wasser gewesen. Der Platz (47.921890, 9.752119) wo der Bach Steinach vor den Gebäuden die zur Kirche gehören fließt; wo die Straße den Berg hoch abbiegt, nur näher an der Kirche – dort floss der Bach zu der Zeit in den See – dies könnte ein heiliger Ort für die Kelten gewesen sein. Vielleicht ist deswegen auf der Anhöhe davor die Kirche erbaut worden, vielleicht war der Platz den Kelten schon heilig. Vielleicht ist dort noch einiges an Gold, Waffen oder anderen Opfergaben verborgen.

Oftmals wurden Verteidigungsanlagen gebaut, von denen man ausgeht, dass diese Fliehburgen waren. Also Anlagen, die man im Notfall bezog, falls der Feind sich näherte. Diese wurden auf gut zu verteidigenden Anhöhen errichtet, wie hier. Zu anderen Epochen der Kelten zog man die Höhenbesiedlung vor, mit zumeist eingefriedetem Ackerland.

Eine These ist, dass die Kelten zwar ursprünglich am See siedelten, dann aber auf die Anhöhe zogen, wo heute die evangelische Kirche steht. Dort wurden Burgreste gefunden und auch frühere Siedlungshinweise. Möglich wäre also, dass die Kelten hier eine befestigte Anlage errichteten.

Denkbar ist auch, dass man das fruchtbare Land zwischen den zwei Seen bewohnte, auch diese wäre gut zu verteidigen gewesen.  Einerseits der Schlosssee und andererseits der Stadtsee und durch den Zu- und Ablauf der zwei Bäche gekennzeichnet: Die vermutliche Fläche der keltischen Siedlung. Jedoch waren Stadt- und Schlosssee größer als heute, sodass das Gebiet von der Kirche bis zur Eisdiele, also bis kurz hinter der Hochstatt, ging.

Cingetorix, König der Treverer & der keltische Krieg

10 Cingetorix

© Till Adloff info@till-now.de

Hallo! Ich bin Cingetorix, der reich an Kriegern ist und fast Anführer der Treverer geworden wäre… Naja, ich hatte mich im Gegensatz zu anderen keltischen Stämmen mit den Römern verbündet. Mein Widersacher und Schwiegervater, Indutiomarus, war da anderer Meinung und verscheuchte mich von meinem Land. Aber mit römischer Hilfe kam ich als neuer Herrscher zurück; und Indutiomarus starb bei der Schlacht. Aber das ist eine andere Geschichte. Heute soll ich Euch vom Kriege berichten und von dem Örtchen, das ihr jetzt Bad Waldsee nennt.

Bad Waldsee | Eine Stadt keltischen Ursprungs

Wie viele Städte in dieser Gegend hat Bad Waldsee seinen Namen den Kelten zu verdanken, respektive den eindringenden Germanen. Das germanische Wort für Kelten war „walaha“ und Bad Waldsee wird in den alten Texten Walaha-se genannt. Das hat auch gar nichts mit dem Wald, wenn auch vielleicht mit dem See, zu tun, auf den man hier einen schönen Blick hat!

Die Germanen zogen von Norden her und vielleicht beobachteten sie die hier lagernden Kelten. Im Norden an der Grenze zu den germanischen Stämmen, lebte vor allem der Stammesverband der Tectosagen, mit denen die Germanen Handel betrieben. Sie nannten die Tectosagen, die auch zuweilen als Volcae benannt wurden: „ualhaz“, woraus sich im Laufe der Zeit walaha und später walsch oder wales wurde. Ja, genau der Teil der heute zu Großbritannien gehört, hat seinen Namen auch daher. Vielleicht nannten die Germanen alle Kelten walha? Ich war ja nicht dabei…

Aber das Städtchen hier, Bad Waldsee, also Waldsee, hat seinen Namen auch von den Kelten. Ob es nun die Tectosagen, die Helvetii oder die Vindeliker waren, die hier siedelten, ist heute nicht mehr erkenntlich. Und schon gar nicht, welcher Stamm Bad Waldsee gründete.

Die Helvetii waren bekannter Weise westlich von hier, die Vindeliker beherrschten das Allgäu, mit ihrer Hauptstadt Candobounon (was sinngemäß „Stadt wo die Iller sich krümmt“ heißt), heute Kempten.

Die Tectosagen oder Volcae siedelten in verschiedenen Gebieten innerhalb des keltischen Kulturraums, vielleicht waren sie auf dem Weg nach Süden hier gewesen und vielleicht wurde das Plätzchen zwischen den zwei Seen, nach ihnen benannt: Tectosagen-See. Denn bekannt ist auch, dass die Tectosagen gerne an Gewässern siedelten und Quellen und Gewässer ihnen heilig waren. Möglicherweise waren die Tectosagen zu dem Zeitpunkt hier, als die Germanen eintrafen.

Dieser Stamm opferte vor allem den Gewässern viel Gold und Silber, vielleicht ist ja noch was da? Aber zu diesem Thema wird Euch Argentokoxos an Station 11 erzählen. Vor allem nach gewonnen Schlachten wurde viel Gold und Silber geopfert! Das hätte ein Kelte nie gestohlen, wäre er doch vom Druiden ausgestoßen worden und hätte gegen die Götter leben müssen, das im Jenseits und Diesseits – keine guten Aussichten, glaubt mir!

Die Stadt Ravensburg, könnte seinen Namen von ratis haben, was bei uns soviel hieß wie befestigte Stätte.

Ob die Germanen und die Kelten die Platzfrage kriegerisch lösten ist nicht mir bekannt, aber sicherlich gab es Kämpfe zwischen den Germanen und den Kelten, welchen Stammes auch immer. Ihre Kriegsführung war in manchen Belangen der Keltischen sehr ähnlich.

Die Krieger und ihre Furchtlosigkeit

Wie ihr ja wisst, glaubte unsere keltische Religion (sofern die römischen Quellen das richtig niedergeschrieben haben) daran, dass die Pforten zum Jenseits in beide Seiten schwingen. So wie ein Baum wieder erwächst, wenn man ihn fällt, so wird ein Krieger wiedergeboren. Auf Grund der Seelenwanderung und der Glaube wiedergeboren zu werden, in Kombination mit den besungenen Helden (die auf gallisch „kaleto“ hießen) und dem entsprechenden Prestige von siegreichen Kriegern, hatten die Kelten keine Furcht zu sterben, sie waren furchtlose Krieger. Eine Quelle beschreibt, wie einige gallische Krieger im Kampf gegen die Wellen im Meer ertrunken wären, da sie den Kampf nicht aufgegeben hätten. Ob das wahr oder römische Propaganda ist, bleibt fraglich. Ihre Kampfbereitschaft blieb davon unberührt, denn selbst die Alten und Kranken ließen sich im Kriegsfall nicht davon abhalten, auf das Schlachtfeld zu ziehen, um im Zweifelsfall ehrenhaft zu sterben.

Feigheit war die höchste Schande, Ehre der höchste Wert und wo sonst, als auf dem Schlachtfeld, konnte man diese Ehre erwerben?! Während es bei den verweichlichten Römern vorkam, sich einen Finger abzuschneiden, um sich vor dem Militärdienst zu drücken, waren wir Kelten mit Mann und Maus zum Kampf angetreten. Das ist besser als der Kopfkissentod, dessen wir uns fürchteten, da sich kleine Elfen auf dem Körper setzen könnten, um die Seele zu stehlen und sie sich dienlich zu machen, oder habe ich das nur geträumt?

Jedenfalls erwarben sich unsere Leute einen Ruf, der zuweilen etwas übertrieben wurde: Es gab sogar Legenden, dass wir Kelten nachts besser sehen würden, als am Tage. Viele Völker hatten Angst vor uns, und das war auch beabsichtigt. So feierten sie es besonders, wenn sie gegen uns mal gewonnen haben.

So überrascht es kaum, was die keltischen Gesandten zu Alexander dem Großen sagten, als dieser durch das Siedlungsgebiet der dort ansässigen Kelten zog. Alexander wollte sich damals sicher sein, dass er von den Kelten nichts zu befürchten hat und sie ihn auch nicht angreifen würden. Prahlerisch, wie wir Kelten nunmal waren, sagten die Gesandten zu ihm, als er sie im Jahre 335 vor Christus fragte, was wir Kelten denn fürchteten:

Nicht etwa Dich [fürchten wir], großer Alexander, sondern, dass der Himmel einstürzen könnte!“

Und tatsächlich war das in unserem Denken ein zentraler Moment, der Himmel besteht ja entweder aus Wasser oder Sand, aber wenn er herunterstürzt, ist alles vorbei! Da lohnt kein Kampf, dann ist die Lage hoffnungslos, aber bis dahin, bleibt uns Kelten der Kampf, oder vielmehr blieb. Das zeigte sich gelegentlich auch bei einem Gewitter – da wurden sogar Schlachten abgesagt! Das Geräusch eines Unwetters war bei uns eine Einschüchterungsmethode – dazu komme ich noch…

Aber die Krieger waren exobnos (furchtlos), zweifelsohne, schon das Training, welches sie über sich ergehen lassen mussten, war hart. In sechs Prüfungen musste man sein Kriegerherz beweisen:

  1. Mit einem Schild und einem Haselnussstock musste man in einer beintiefen Grube stehen und von 9 Kriegern abgeschossene Speere abwehren.
  2. Ohne sich zu verwunden, musste man in einem Waldlauf seinen Verfolgern entkommen.
  3. Bei der Flucht durfte kein Ast auch nur knacksen.
  4. In einem Lauf musste man einen Ast überspringen, der auf Augenhöhe lag.
  5. Ein Ast, der in Kniehöhe lag, musste untergangen werden, eine Art von Limbo…
  6. Im Lauf einen Dorn aus dem Fuß ziehen, ohne dabei langsamer zu werden

Aber mal unter uns, diese Elitekrieger waren eher selten! Aber ein Kriegsschwur, den man sich unter den Clans gab, war ein heiliger Schwur! In Großbritannien, die sich selbst nie als Kelten sahen, kamen zum Gott Finn, nur diejenigen, die durch Waffengewalt umkamen, ganz wie im germanischen Glauben beim Stichwort Walhalla.

Die Furchtlosigkeit, die Angstlosigkeit vor dem Tod im sicheren Wissen wiedergeboren zu werden, machte die Kelten auch zu beliebten Söldnern in verschiedenen Heeren. So kämpften unsere Leute in der Schlacht gegen Karthago 385 vor Christus unter der Führung des Dionysios I von Syrakus (Silzilien) weit weg von daheim.

Uns Kelten war das Gefolgswesen in die Wiege gelegt. Unser Leben war auch gekennzeichnet von Clan- und Stammesfehden. Ein anderes Beispiel für die Treue von uns Kelten, war die Tatsache, dass wenn der Anführer gestorben war, gab man auf; manche begingen sogar Selbstmord. Mancher aus unseren Reihen verdingte sich auch als Attentäter, die mit ihren keltischen Dolchen ihren Auftrag ausführten. Als Lohn bekamen die Söldner Münzen, die sie mit in die Heimat nahmen und dort diese Transaktionsform einführten.

Auf dem Gebiet der Aquintaner gab es einen Stamm „Sotiates“, deren Krieger Soldurii hießen; ob das mit Euren Wort Soldat oder Söldner zusammenhängt, habe ich nicht mitbekommen, jedoch heißt das Wort Soldurii übersetzt „die unter dem Gelübde Stehenden“. Wir hatten halt noch Bodua! Achso ja, ihr könnt ja kein keltisch, das heißt Kampfeswut!

Der keltische Elitekrieger hat natürlich auch Diener, vor allem die Krieger, die auf einem Wagen in die Schlacht zogen. Ein Diener war der Chauffeur und der andere der Träger der Waffen. Außerdem brachten sie den Krieger in Sicherheit, falls er von seinem Marko, also Pferd, fiel.

Wir hatten auch schon Militärabzeichen, die malten wir uns unter die Augen, die Striche waren sinnvoll bei starkem Sonnenlicht und sie waren ein Verweis auf die Männlichkeit, unter dem Auge, was wiederum ein Symbol der Weiblichkeit war. Das ist so eine religiöse Geschichte, die Euch Drynemeton auf Station 3 schon erklärte. Insgesamt war der Krieg auch eine religiöse Kiste, wenn ich mir das genau überlege, so werfen wir mal einen Blick auf die Kriegsgötter!

Stein-Militaerabzeichen-schlangeDie Götter des Krieges und Kriegsrituale

Der Krieg war ein integraler Bestandteil unseres Lebens, das kann man wohl so sagen. Wir hatten einige Götter die für den Krieg zuständig waren, jedoch gab es unter ihnen keine wirkliche Hierarchie, das war eher von Stamm zu Stamm unterschiedlich.

Nicht selten war der Kriegsgott mit dem Fruchtbarkeitsgott oder dem Gott für Wohlstand identisch, denn der Gott der die Macht hat, zu zerstören, hat auch die Macht zu erschöpfen. Genau wie bei der Seelenwanderung ist der Tod der Beginn des neuen Lebens und so ist der Gott des Todes auch eine zeugende Kraft; Tod und Leben vereinend. In mehreren Axiomen entsprach das unserer Philosophie, der Krieg führt ja entweder zu Reichtum oder in den Tod.

Das mag die Erklärung sein, warum die Fruchtbarkeits- und Pferdegöttin Epona im Laufe der Zeit zu einem Statusobjekt für Streitwagenkrieger auf dem Schlachtfeld wurde. Krieg und Prestige, wie auch die Stärke, waren die Seiten der Medaille.

Dann lasst uns mal ein paar bekannte Götter des Krieges aufzählen, die mit Stärke protzten: Mogetius, Dinomogetimarus, Olloudius, Segomo, Belatucardrus, er ist behornt. „Marus“ bedeutet groß oder kräftig, „seg“ hat mit dem Sieg zu tun oder Belatucardrus, heißt der Schöne und Strahlende. Kennt ihr nicht? Naja der letzte ist wohl eher in Großbritannien bekannt gewesen.

Aber nicht alle Kriegsgötter waren stark und nachgiebig, Leucimalacus beispielsweise war ein eher sanfter Kriegsgott. Den kennt ihr auch nicht? Aber ich hab noch ne Menge mehr: Albiorix, Alator, Arixo, Beladonnis, Barrex, Bolvinnus, Braciaca, Britovis, Buxenus, Cabetius, Camulus, Cariocecius, Caturix, Cemenelus, Cicollius, Carrus, Cocosus, Cociduis, Condatis, Cnabetius, Corotiacus, Divanno, Dunatis, Glarinus, Halamardus, Harmogius, Ieusdriuus, Lacavus, Latabius, Leucetius, Lenus, Mullo, Medocius, Nabelcus, Neton, Ocelos, Rudianus, Rigisamus, Randosatis, Riga, Sinatis, Smertatius, Toutates, Tritullus, Vesucius, Vincius, Vitucadros, Vorocius und nicht zu vergessen Vulcan.

In dieser Gegend war Cnabetius, oder ­­auch Gnaretius, ein beliebter Kriegsgott, der nach der römischen Invasion mit dem römischen Kriegsgott Mars in Verbindung gebracht wurde. Sein Name bedeutet sowas wie „verstümmelt“.

Immer noch nichts Bekanntes darunter? Dann verfeinern wir die Auswahl etwas und weil alles Heilige dreifach ist: Teutates, Esus und Taranis!

Teutates, Esus und Taranis

Teutates ist ein hoher Gott, ebenfalls der Kriegsbranche zugewiesen. Sein Name bedeutet sinngemäß Vater des Stammes, mit einer schöpferischen und zerstörerischen Gewalt. Ihn zu besänftigen bedarf es eines Menschenopfers auf eine bestimmte Art: Das Opfer muss kopfüber in einem mit Wasser gefüllten Bottich ertrinken, manche sagen, Teutates erscheint im Wasser. Ja, nicht gerade die feine englische Art. Teutates wurde von den Römern auch mit Mars, dem römischen Kriegsgott, verglichen.

Was Esus in Eurer Sprache heißt, kann ich nicht genau sagen, es reicht von Herr und Gott über Leidenschaft und Wut bis zu „Gutes Verlangen“. Esus wurde auch des Handels und der Handelswege wegen angebetet. Ob er wegen des Handels mit Merkur, dem römischen Handelsgott, verglichen wurde, habe ich vergessen. Das Menschenopfer ihm zu Ehren wird an einem Baum aufgehängt, bis ihm die Glieder abfallen, die Erde war sein Element.

Für den letzten, der drei großen keltischen Kriegsgötter, verbrannte man das Menschenopfer in einer Holzkiste oder ausgehöhltem Baumstamm. Sein römisches Pendant war der Dispater, der Gott der Unterwelt. Taranis war der Donnergott bei uns Kelten, die Germanen hatten ja auch „Donar“, nach ihm ist ja Euer Donnerstag benannt.

Die Götter waren auch ständig am kämpfen, bei denen ging es um Gut und Böse und sie hatten verschieden Fachgebiete, manch ein Kriegsgott war auch ein Heilgott oder eben ein Fruchtbarkeitsgott. Auch der Gott des Malzes, sozusagen der Biergott, Braciaca, hatte mit dem Krieg zu tun! Für uns war die Schlacht auch ein Grund zu saufen!

Gerade die drei Götter wurden oftmals als die höchsten Götter gesehen, aber das hat jeder Stamm anders gehalten. Zweifelsohne waren die Kriegsgötter aber wichtig! Diese Götter hatten in Darstellungen oftmals drei Gesichter auf einem Kopf, wie des Öfteren gesagt, alles Heilige ist dreifach.

Die Tiere der Kriegsgötter

Jetzt fällt es mir auf, alle unsere Kriegsgötter haben Hörner! Naja, alle bis auf Cernnunos, der Gott, der als Hirsch dargestellt wird, er ist aber auch kein Kriegsgott, denn der Cernnunos hat eine besondere Fähigkeit, sein Geweih erneuert sich jährlich, ein Symbol der Erneuerung und daher Fruchtbarkeit.

Tiere waren für uns die Symbole der Götter, auch für den Krieg gab es diese Geschöpfe. Zuvorderst nenne ich den Eber, ein höllisches Tier. Mit seinen Hauern kann er einen ausgewachsenen Mann einfach ausweiden. Er gilt als Kriegstier Nummer eins, viele tragen sein Symbol! Der Eber steht für Kraft, er ist geheimnisumwittert, lebt er doch im dunklen Wald. Esus wird mit Hilfe des Ebers um Schutz und Erfolg gebeten, der auch als Gott des Waldes gilt. Warum die Gans bei manchen Stämmen in Großbritannien als Symbol der Kriegsgötter galt, habe ich nie ganz verstanden, aber sie kann schon ziemlich zickig sein.

Andere „Kriegsgötter-Tiere“ sind der Widder oder der Steinbock, sie kämpfen auch im Stil der Kelten: Immer im Zweikampf, Stichwort „iudicium belli“.

Der Eber wurde gerne auf einem Helm getragen, was sich vor allem die Fürsten und siegreiche Krieger erlaubten, oder auf den Schwertknäufen.

Die Kriegsführung & die Waffentechnik

In den Krieg zogen die Helden, während die andere Hälfte oftmals das Land weiterhin bestellte. Aber das ist schon zu lange her. Lasst uns von dem heiligen Krieg reden.

Es gab einige Kriegsrituale, die vor und nach dem Krieg oder der Schlacht, vollzogen wurden. Vor- als auch nach der Schlacht hat man um der Gunst der Götter willen ein Menschenopfer dargebracht. Nach der Schlacht waren es meist Gefangene, zuvor oftmals Kriminelle.

Die Krieger holten ihre Feldzeichen, diese lagerten während der Friedenszeiten in den heiligen Plätzen unseres Stammes. Meist haben sich manche Clans zusammengetan, aber die Freund-Feind-Unterscheidung änderte sich immer wieder. Besonders wichtig war uns Kelten den Kopf des Gegners zu holen, das damals schon archaische Ritual. Aber die Köpfe von angesehenen Gegnern wurden balsamiert und geehrt, diese Tradition überlebte bis zum Schluss.

Die Gegner wurden auch nicht schlecht gemacht, im Gegenteil, man hat sie hochgepriesen, die meisten taten dies aber nur um sich bei einem Sieg besser darzustellen und bei einer Niederlage… naja…

Wir kämpften gerne an Furten, wo wir wussten wie tief das Wasser wirklich geht. Aber den Trick kannten alle keltischen Stämme.

Wenn die Schlacht begann sammelten sich die Krieger und machten ein Mordsgeheul, wir schwangen unsere Schwerte und klapperten auf die Schilder. Die Familien im Hintergrund klapperten auf den Lederplanen und erzeugten einen Klang, als würde es hageln. Vor allem aber war es der Klang des Karnyxs, meist mit einem Eber- oder Wolfskopf verziert, verschreckte die Gegner. Die Zunge des Ebers war ein bewegliches Stück, dass Höllengeräusche in die Schlacht trug, manchmal grunzend und manchmal schnarrend – wir nannten das Kriegsgeheul „ululatus“. Taranis, unserem Wettergott, gefiel das gut und es war nicht gerade Vertrauenserweckend.

Zeittafel zusammengesetzt

Während wir den Gegnern klar machten, dass es ihr Untergang sein wird, begann der Druide im Hintergrund mit seinen Flüchen gegenüber den Gegnern, das war wirklich erschreckend, sollte er die Götter begünstigen können. Es war also eine große Show, die vor allem dem Gegner Angst einjagen sollte. Unser Ruf als kataka, als kriegerisch machte das Seinige.

Unsere Waffen waren wirklich gut für diese Zeit, unsere Schwerter – vor allem die der Latène-Zeit (ab 450 v. C.) waren beliebt. Selbst die Römer haben unsere Waffen nachgemacht. So benannten sie Ihr Kurzschwert „Gladius“ nach unserem Wort für das Schwert „kladiuos“.

Das alte Schwert zur Hallstatt-Zeit (750 v. C. bis 450 v. C.) war ein Hieb- und Stichschwert. Es war spitz, danach (ab ca. 450 v. C.) machte man die Schwerter vorne rund, weil man mehr schlitzte, als stach – naja, wir waren schon ein bisschen blutrünstig. Die Länge variierte über die Zeiten der zwei Epochen hinweg.

Die Lanze nutzten wir vor allem ab dem 4. Jahrhundert vor Eurer Zeitrechnung. Aber wir hatten noch etwas, was die Römer ebenfalls von uns kopierten: Den Kriegswagen, in der alten Zeit war der vierrädrig, in neuer Zeit hatte er nur noch zwei Räder.

Keltischer Wagen

Die Vindeliker, östlich von hier, zogen vor allem mit der Streitaxt in den Krieg. Das war, glaube ich, so ein Fetisch. Naja, die Alpenkelten nutzten dafür den Wurfspeer (Gaea, ein Wort das wir bei den Römern entlehnt haben), die haben sich etwas von unseren Ritualen entfernt und viel Römisches aufgenommen. Später, zur Latène-Zeit (ab 450 v. C.) haben auch die Boier und die Helvetier so manches Mal gegen das Fernwaffenverbot verstoßen, aber nur im Krieg gegen die Römer.

Und dann gab es da noch die „Cateia“, ihr würdet das Kriegsgerät wohl als Morgenstern betrachten. Es war wohl ein Kompromiss zwischen Fern- und Nahkampf.

Das Schild in der alten Hallstatt-Zeit war rund und später eckig, aber immer recht klein, so um die 45 Zentimeter im Durchschnitt. Die Schilder waren meist liebevoll mit den Tieren der Kriegsbranche oder mit Ornamenten verziert.

Wir kämpften immer einer auf einen, da hätte auch niemand eingegriffen, eine Frage der Ehre. Soweit ich weiß, gilt dieses Prinzip immer noch. Wir führten die Schlachten eher nach heroischen Gesichtspunkten und nicht so sehr nach strategischen Regeln, was uns letztlich auch den Sieg kostete. Wir kannten keinen Hinterhalt, keine Taktik – es lag sowieso im Wollen der Götter. In der Hallstattzeit (750 v. C. bis 450 v. C) kämpften die Helden nackt, nur mit einem Schild und einem Schwert bewaffnet. Dem Heldenepos gemäß, gab es bei uns auch keine Fernwaffen – die Speere und Pfeil und Bogen waren einzig für die Jagd erlaubt; nicht im Krieg!

Aber es gab auch einige, die sich mit einem Brustpanzer schützten, schon in der alten Zeit. Den Kettenpanzer haben wir im 4. Jahrhundert vor Christus entwickelt. Die Fürstenpanzer waren natürlich besonders reichhaltig geschmückt.

Die Helme, das muss man wohl sagen, und das sieht man auch, haben wir von den Griechen übernommen. Manche sagen auch, das kommt daher, weil wir gemeinsame Wurzeln haben, aber beweisen konnte das noch niemand.

Die Schlachten gegen die Römer

Die Schlachten gegen die Römer waren anders, in vielerlei Hinsicht. Unsere Kriegsführung unterschied sich von der römischen und so hatten wir sie über zwei Jahrhunderte hinweg ferngehalten, sie hatten schlicht Angst bekommen. Schließlich waren wir im Durchschnitt 30 Zentimeter größer als die kleinen Römer, mit ihren 1,60 Meter. Aber wir änderten unsere Strategien nicht, die Römer schon.

Zunächst irritierte die Römer, als auch die Griechen, unsere archaische Nacktheit, doch schon bald sollte das ein Problem darstellen. Denn die Römer nutzen Fernwaffen, sie hielten sich nicht an unsere Kriegsregeln. Sie stellten sich in Position und warfen ihre Speere gegen uns, wir verloren unsere Schilder und standen im wahrsten Sinn des Wortes nackt da. Manchmal warfen sie schon, bevor wir losrannten, noch im Kriegsgeheult tätig. Die Speere waren so konstruiert, dass man sie nicht aus dem Schild ziehen konnte, und so musste man das Schild wegwerfen.

Im Feld blieben die Römer mit ihren Strategien unbesiegt in der Antike, von jenem Tag an, als wir das erste Mal gegen die Römer unter Caesar verloren. Was uns aber wohl eher das Genick brach, war die Beibehaltung unserer Strategie, als auch, dass wir nicht so diszipliniert waren, wie die Römer. Wir haben gesoffen und schlugen uns vor der Schlacht den Wanst voll, die Römer durften kein Fleisch essen und auf keinen Fall Alkohol trinken. Rein von der Anzahl unserer Mannen unter Waffen und wegen unserer Tollkühnheit waren wir eigentlich überlegen.

Ab dem 3. Jahrhundert vor Christus gewannen die Römer die Oberhand auf dem Schlachtfeld, wir änderten unsere Lebensgewohnheiten und etablierten Städte, nach römischem Vorbild, die aber besser zu verteidigen waren. Nur noch einmal lehnten wir uns gegen die Römer auf, gemeinsam unter der Führung von Vercingetorix, aber wir verloren, trotz unserer Überzahl!

Wir keltischen Krieger waren immer noch als Söldner beliebt. Gewannen wir aber die Schlacht, haben wir den Leichen die Köpfe abgeschlagen und sie ans Pferd gehängt. Ganz wie in den Tagen, da wir für unseren Stamm kämpften. Vor allem wegen unserer Reitfähigkeiten wurden wir gerne von der römischen Kavallerie übernommen.

Haben wir den Krieg verloren, so haben wir unsere Feldzeichen dem Feind übergeben, ihr Verlust war eine große Schmach, aber sie verhinderte weiteres Töten. Innerhalb der Stämme gab es, um einen Krieg zu vermeiden auch einen Mittler, der Bricrui.

Literaturverzeichnis

Die nächste Station der Oberschwäbischen Keltenstraße ist unter den folgenden GPS Daten zu finden: 47.848967,9.838393, 47.896427,10.069966 (Station 12) & 48.010798,10.077846 (Station 13)

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