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5. Station | Dagomarus über Handel und Ernährung

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Den Handel der Kelten, erklärt von Dagomarus. Die fünfte Station der Oberschwäbischen Keltenstraße findet man in der Nähe des Federsees bei Oggelshausen.

Die Beschreibung der keltischen Fischfanganlage bei Oggelshausen, findet man, dem Link folgend.

5_Dagomarus

© Till Adloff info@till-now.de

Mein Name ist Dagomarus, was soviel bedeutet, wie derjenige, der groß an Gut ist. Ich bin ein Händler! Manche, drüben jenseits des Rheins, nennen mich auch „Deprosa-Gilos“, was soviel bedeutet wie „Schmaus-Sucherle“, naja, ich mag gutes Essen!

Wir Kelten, werden als kriegerisches Volk gesehen, dabei sind wir durch Handel so groß geworden! Schon in der Hallstatt-Zeit (750 v. C. bis 450 v. C.) haben wir mit den Griechen Handel betrieben. Mit der Gründung von Massalia (das heutige Marseille) um 600 v. C. durch die Griechen wurde unser Handel mit dem Mittelmeerraum noch intensiviert.

Handelsrouten und Fürstensitze der Kelten

Mit der Errichtung von Massalia änderten sich auch die Handelsrouten, das waren die Lebensadern unserer Kultur. Zunächst, also während der Hallstattzeit (750 v. C. – 450 v. C.) ging die Strecke beispielsweise von der Heuneburg entweder den Fluss hinab in den Osthallstattkreis oder über Landwege durch ganz Oberschwaben bis zum östlichen Ende des Bodensees (über Brigantium, was keltisch für Bregenz ist) und Hallstatt über die Alpen nach Süden in die Poebene. Auch denkbar ist ein Weg über Land durchs Breisgau über die Alpen in die Schweiz. Mit Massalias, also Marseilles, Gründung und mit dem Übergang zur Latène-Zeit (ab 450 v. C.) wurden von der Heuneburg aus vermehrt Wasserwege genutzt. Über die Donau zum Osthallstattkreis, über den Rhein zu dem Stammesverband der Eburonen (Volk der Eibe), was im heutigen Belgien liegt, und über die Rhône eben nach Massalia. Aber es gab noch viele weitere Strecken, die alle aufzuführen, würde zu weit führen.

Zeittafel zusammengesetzt

Die Boote waren eher flach und flussabwärts hat man sich treiben lassen, flussaufwärts hat man oftmals gestakt. Aber wir Kelten kannten schon vor den Germanen das Segel, wir nannten es „segl“! Für den Transport über Land haben wir natürlich unsere Pferde und Wagen (in der römischen Provinz Gallien „Carrus“ genannt) genutzt, doch waren die Pferde durchschnittlich kleiner als die heutigen Gäule.

Die Handelsrouten zu kontrollieren war eine große, aber gewinnbringende Aufgabe! Es war gleichsam der Aufstieg zu einem keltischen Fürsten! Die sogenannten Fürstensitze, wie die Heuneburg einer war, gab es entlang der Handelsrouten im ganzen Keltenraum. Vor allem an Flüssen, wegen der guten Verkehrslage, und am besten in Kombination mit fruchtbarer Erde und / oder Bodenschätzen, entstanden Fürstensitze. Der Handel brauchte Leute und vor allem Handwerker wurden von den Fürsten benötigt. So siedelten um die Fürstensitze, die meist befestigte Anlagen waren, die Arbeiter.

Die Wege mussten aber auch gesichert werden, denn nicht nur die Brücken mussten in Stand gehalten werden, von denen es nachweislich schon im 3. vorchristlichen Jahrhundert viele gab, sondern die Handelstreibenden mussten vor Wegelagern beschützt werden – gerade über Land. So gab es im Abstand von einer Tagesreise eine Station zum Unterkommen, doch viele sind noch nicht wiederentdeckt worden.

Oberschwaben war damals ein wichtiger Umschlagsplatz für Zinn, der aus Großbritannien in den Mittelmeerraum wanderte. Zinn ist ein notwendiges Metall für die Bronzeverarbeitung. Auch Eisen wurde gehandelt, viele der hier produzierten Schwerter fanden sich im heutigen Frankreich wieder und die Strecke bis dahin wurde bewacht.

Um die Sicherheit zu garantieren nutzte und entlohnte der Fürst vermutlich seinen Clan, denn als Familienclan hielt man damals zusammen. Je weiter der Weg führte, desto mehr arrangierte man Allianzen zum Schutz der Reisenden. Der Stamm kannte seine Nachbarn, der wiederum seine Nachbarn und so entstand ein Netzwerksystem, ihr würdet heute wohl networking dazu sagen. So ein System funktionierte im Übrigen auch, wenn man gemeinsam in den Krieg zog, oder wenn es darum ging, einen Grabhügel aufzuschütten.

Handelswaren & Produktion                                         

Gemeinsam produzierte man auch die Güter des Alltags und mehr. Der Arbeitsteilung wegen kam es zu Qualitätssteigerung und zur Überproduktion von Waren, mit denen man Handel treiben konnte. Und es gab immer etwas, was man eintauschen wollte – vor allem Geschirr und der Wein waren wichtige Handelgüter und das hatte seinen Preis!

handel-wein-griechenDer Gegenwert für eine Amphore, was ungefähr 32 Liter Wein darstellt, war ein Sklave (auf keltisch mug). Auf der Heuneburg gab es wohl nicht mehr als zwei Weinamphoren im Jahr und der Transport war anstrengend. Daher ist es auch möglich, dass der Wein in Schläuchen nach Oberschwaben gekommen ist. Vermutlich ging auch viel unterwegs verloren. Der Wein war, wie im Mittelalter, nur den Reichen vorbehalten, der normale Kelte trank eher Bier, oder mehr ein Mix aus Malz und Honig und es gab auch Met.

Im Übrigen hielt man in Rom so gar nichts vom gallischen Wein, er sei schlechter Qualität, so hieß es – naja, inzwischen hat man in Frankreich dazugelernt, wie ich hörte.

Der Handel war natürlich auch eine Möglichkeit Technologien zu transferieren, sei es unter den keltischen Stämmen oder mit dem Mittelmeer. So zogen einige keltischen Handwerker aus, so wie es heute die Zimmerleute tun, um ihre Fähigkeiten zu erweitern.

Es gab auch etwas was die Kelten austauschten, dazu gehörte Salz (salino oder später hall), Eisen (isarno) und sehr erträglich war der Handel mit Glasprodukten. Ein wichtiges Element war bei den Kelten die Metallverarbeitung. Der Sonnengott Lug war ihr Schutzpatron, würde man heute sagen. Man arbeitete mit sogenannten Rennöfen, aus denen die Schlacke herausrinnt. Das war nicht besonders rein, aber man würde besser werden.

Wir waren begeisterte Erzschürfer, unser Wort dafür „min“ lebt auch noch in Mine und Mineral weiter. Unser Wort für Blei war loudiom, naja – wir kannten kein „p“, wie das heutige Plumbum. Silber hieß arganto, heute heißt der Fachbegriff Argentum.

Im Übrigen waren wir Kelten gewiss keine Naturschützer. Sicherlich waren uns die Natur und auch die Bäume heilig, dennoch holzten wir ordentlich ab! Bei der Metallverarbeitung brauchten wir jede Menge Kohle und dafür brauchte man viel Holz, was wir „widu“ nannten. Für eine Tonne Kohle, bedurfte es 25 Kubikmeter Holz. Vor allem in der Latène-Zeit (ab 450 v. C.) wurde der Wald gerodet, das hat mit dem Eisenverarbeitung, als auch mit dem Bevölkerungswachstum zu tun.

Des Weiteren produzierte man natürlich Kleidung und war der Töpferei mächtig. Und wir Kelten waren talentierte Bauern! Die Römer erachteten die gallische Provinz als äußerst produktiv, die Landwirtschaft war schon zuvor so produktiv geworden, sodass die Bevölkerung stetig anstieg.

Und ja, wir hatten Sklaven – heute ist das undenkbar – aber damals… Genau wie heute, arbeiteten in den Bergwerken, auf den Feldern, nicht die Reichen.

Und Orgetorix hat Euch doch von dem Wandel zur Latène-Zeit erzählt, das Rätsel mit dem Ende der Heuneburg? Ich sage Euch, es waren die ökonomischen und politischen Änderungen und die Abholzen des Waldes. Denn es gab einen Kampf zwischen der Heuneburg und dem Fürstensitz auf der anderen Seite des Rheins: Mont Lassois. Ich glaube ja, die haben die Heuneburg abgefackelt, aber das ist ja meine „Verschwörungstheorie“, tss.

Ernährung und Ackerbau

Hier gab es Fisch, so viel Fisch, dass man mit ihm gut Handel treiben konnte, das waren gute Zeiten, ja! Der Name für Lachs war Esoks, er war übrigens auch ein Gott…

Was den Ackerbau betrifft, so hatten wir vor allem Dinkel, es ist ein gutes Getreide, denn es ist lagerfähig und schimmelt nicht. Aber es ist doch mehr Arbeit als Gerste, die wir auch schon anbauten. Sie war schneller reif, aber nicht so ergiebig wie Dinkel. Das Mehl war meist gemischt bei uns, kommt ja bei Euch auch wieder auf! Wir hatten auch noch Hafer, Roggen, Hirse und Lupinen. Wobei die Rispenhirse eher an das Vieh verfüttert wurde.

Der Ackerbau wurde über die Jahre immer effektiver, zuerst pflügten die Bauern kreuz und quer, dann der Länge nach, wie man das heute noch so macht – Schaut Euch mal um! Gedüngt wurde mit Kalk und der spätere Pflug war eine Erfindung aus Raetien, aber wir Kelten hatten den in Oberschwaben („nördlich der Alpen“) schon. Der römische Schreiberling, Plinius, nennt ihn „Plaumorati“.

Die Leute hatten Emmer-Weizen. Und für Öl haben wir Leinsamen benutzt und auch das ist wieder im Kommen bei Euch, es enthält ja die super Omega-3-Fettsäuren.

Keramikgefaess

An Gemüse hatten wir auch schon vieles, was Du kennst. Dazu gehörten unter anderem Karotten, Rüben, Kohl, Weißkraut, Salate, Porree, Zwiebel, Knoblauch, Erbsen, Linsen, Lauch. An Obst gab‘s beispielsweise Äpfel, Birnen, Kirschen, Pfirsiche, Trauben, Beeren, und Wal- sowie Haselnüsse.

Natürlich gab es auch Milch und Butter, wobei letztere den Reicheren vorbehalten war. Der Rahm wurde damals von den Kelten „crama“ genannt, noch heute gibt es das Wort… „creme“. Und das Wort für Milch war sanio oder span, was im heutigen Spanferkel oder auch Milchferkel weiterlebt, wegen der Milchzitzen.

Wir Kelten waren keine Vegetarier! Wir jagten vor allem den Rothirsch und dabei waren wir talentiert! Den Eber jagte man auch, aber eher aus Prestigegründen. Für die Jagd nutzten wir Schleudern und Speere, aber im Krieg setzten wir keine Distanzwaffen ein. Die späteren Belgae, Stämme im Gebiet des heutigen Belgiens, jagten vor allem die Vögel – und an der Tradition hat man lange festgehalten, wie ich erfahren habe.

Insgesamt lag der Anteil des Wildfleisches bei vielleicht 5 Prozent, aber mit der steigenden Bevölkerung nahm auch der Wildbestand ab. Ob nur anfangs oder fortwährend die Jagd den Oberen vorbehalten war, weiß ich auch nicht mehr.

Hühner gab es im Übrigen nur auf der Heuneburg, so die bisherigen Funde – und sie wurden auch nicht gegessen. Man mag es zum Beltaine Fest geopfert haben.

Was wir tatsächlich nicht so gut konnten, war die Sache mit dem Tiere züchten. Dennoch hatten wir Fleisch wie Rind (Bous), Schwein (Porkos), Wildschwein, Spanferkel. Weniger häufig vertreten war das Schaf, die Ziege, das Pferd oder eben Wildtiere (die keltischen Namen in Klammern). Das Rind war halt am nützlichsten, mit Milch, Fleisch und als Arbeitstier. Zumeist gab es aber doch Getreide, um das Bevölkerungswachstum zu gewähren.

Ein durchschnittlicher Bauernhof in der Hallstattzeit (750 v. C. bis 450 v. C.) war ungefähr 600 Quadratmeter groß, ein Herrenhof schon drei bis vier Quadratkilometer – alles natürlich umzäunt und die Felder im Inneren. Da erwirtschaftete man Einiges was man tauschen könnte! Die einzelnen Gutshöfe waren dann eher Selbstversorger.

Die Dörfer mit ihren Strohhütten (genannt Barga, was im englischen barn für Scheune weiterlebt) während der Latène-Zeit (ab 450 v. C.) lagen entsprechend an sanften Hängen, mit guten Ackerland und mit einem Gewässeranschluss, sprich einen See, einen Bach oder einen Fluss. Die Dörfer dienten neben der Produktion, auch als Distributionszentren im Handel mit anderen Clans oder dem Mittelmeerraum.

Die Heuneburg als Beispiel

Die Heuneburg war der Haupthandelsplatz rechts vom Rhein und das über 150 Jahre lang! Später kam noch die Festung auf dem Hohenasperg dazu, mit der auch gehandelt wurde. Dazu gehörte auch Schmuck, unter anderem aus dem kostbaren Bernstein gefertigt. Von dem Handel haben wohl beide profitiert, denn nach der Gründung des Fürstensitzes Hohenasperg entstanden noch mehr Grabhügel mit teuren Grabbeigaben.

Wein und Eisen waren die Faktoren für das Wirtschaftswunder Heuneburg. Sie kontrollierte den Handelsweg und damit das Land, das Vieh, die Ressourcen und damit letztlich auch die Menschen. Auf der Heuneburg gab es Luxus pur, wenn man es mit der Bronzezeit (vor 1000 v. C.) vergleicht. Wein war es, was die Fürsten wollten und sie handelten mit Eisenprodukten. Das nötige Eisen wurde in der Schwäbischen Alb bei St. Johann-Würtingen abgebaut.

Auf der Heuneburg wohnte natürlich die Fürstenfamilie, diese aßen vor allem Rind, viel Schwein und Schaf. Hasen, Hunde und Pferde wurden weniger verzehrt, zählten sie zu den heiligen Tieren? Der Wildanteil war auf der Heuneburg sogar noch geringer als der Fünf-Prozent Durchschnitt: bei 0,3 Prozent. An Getreide gab es auch Gerste und Dinkel.

Geld und Schrift im Handel

Inspiriert vom Mittelmeerraum und weil die Römer und Griechen immer mit den Münzen handeln wollten, führten wir das Geld auch ein, das war so um ca. 350 v. C., aber es sollte nochmal 200 Jahre dauern, bis das Währungssystem normiert wurde, denn so um 150 v. C. führte man Gewichtsstandards bei uns ein. Wie der Wechselkurs war, weiß ich nicht; aber wechseln nannten wir „cambiare“.

Für solche Dinge macht sich die Schrift dann doch besser, aber unsere Schrift ist ja magisch. So nutzten wir für den Handel und die Verwaltung die griechische Schrift, das vereinfachte auch den Handel. Manche nutzten die griechische Schrift auch privat, aber dafür musste man schon im Handel aktiv gewesen sein.

Als Zählsystem hatten wir, soweit ich mich erinnere, auch ein Zwanzigersystem gehabt. Auch das hat sich ja erhalten, im Französischen zählt man noch heute so: Achtzig ist „vier(-mal-) Zwanziger“ – „quatre vingts“. Aber auch im Englischen und im Deutschen haben wir viele Worte hinterlassen, wie Du schon mitbekommen hast und wirst, daher möchte ich noch das zum Besten geben: Der Korb hieß bei uns „Basged“ und der Garten „Gort“.

Literaturverzeichnis

Die nächste Station der Oberschwäbischen Keltenstraße ist unter den folgenden GPS Daten zu finden: 48.162447,9.556324! Da geht es aber stark bergauf, wer das nicht möchte, kann direkt zur siebten Station gehen: 48.159502,9.721652. Da verpasst man aber was! Weitere Station 8: 48.070466,9.722921

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