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6. Station | Epona – die Fruchtbarkeitsgöttin

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Die zauberhafte Fruchtbarkeitsgöttin Epona erzählt über Fruchtbarkeit und Sexualität. Die sechste Station der Oberschwäbischen Keltenstraße findet sich auf dem Berg Bussen bei Offingen.

Der Bussen ist ein heiliger Platz für Fruchtbarkeitsrituale bei den Kelten, weitere Infos findet man dem Link folgend.

Ort und Lage: Bussen (Berg), 88524 Offingen | GPS-Daten: 48.162447,9.556324

Beschreibung:

Dieser Berg hat es in sich, der Bussen, Oberschwabens größte Erhebung. Na? Gut geschafft? Die Belohnung ist die Aussicht! Hier sieht man weit über das Ländle und die exponierte Lage machte den Berg auch für die Kelten interessant. Durch Funde an Keramiken kann die Besiedlung des Bussen in Oberschwaben von der Bronzezeit bis ins 5. Jahrhundert vor Christus als gesichert angesehen werden. Vermutlich ist es die Erhebung an sich, weswegen schon die Kelten hier Fruchtbarkeitsopfer darbrachten. Heute noch wandern junge Paare auf den Berg um dort ein “Bussakindle” zu bekommen, was ebenfalls als Fruchtbarkeitsritual zählen dürfte. Die heutigen Bussakindle sind aus Marzipan und sind käuflich erwerbbar.

Welche genaue Bedeutung der Bussen für die Kelten hat, lässt sich durch die bis heute existierenden Fruchtbarkeitsrituale und der Tatsache, dass es ein Wallfahrtsort ist, nachvollziehen. Es war also ziemlich sicher, ein heiliger Platz. Erhobene Orte hatten für die Kelten oftmals eine besondere Bedeutung, schließlich vergruben sie auch ihre Toten in Hügeln. Der Bussen ist von vielen keltischen Siedlungen aus sichtbar gewesen, was seine Popularität unter den Kelten ausgemacht haben könnte.

Auch den Namen des Bussens kann man wohl zu den Indizien für den Fruchtbarkeitskult hier zählen. Denn die Bedeutung von Buss oder Budd, wie auch das bayrische Busserl, ist Kuß. Wobei der Ursprung auch im keltischen Wort für „Penis“ begründet sein könnte, wenn man es vom altirischen „Bod“ ableitet. Dies könnte man wiederum von der Erhebung ableiten.

Es ist schwer sich vorzustellen, dass die Römer sich diese erhöhte Lage – mit gutem Blick und gut zu verteidigen – nicht als Kastell ausbauten, so vermuten manche, dass es schlicht noch nicht gefunden wurde. Vielleicht hätte die Entweihung der heiligen Stätte auch einen Aufstand bewirkt, sodass die Römer hier nicht bauten. Nach wie vor ist der Bussen, der heilige Berg Oberschwabens.

Die auf dem Bussen befindliche Kirche wurde im Jahre 805 dem Kloster Sankt Gallen geschenkt. Später gehörte sie dem Kloster Reichenau. Damals war der Berg im Besitz des Grafen Berthold. Die heutige St. Johann Baptist Kirche stammt aus dem Jahr 1516, welche in den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts renoviert wurde.

Die Göttin Epona und die Fruchtbarkeit

6_Epona

© Till Adloff info@till-now.de

Ich bin Epona, die hohe Göttin der Pferde und die hohe Göttin der Fruchtbarkeit. Mich gab es zu allen Zeiten der keltischen Epochen und meine Beliebtheit stieg über die Jahrhunderte. Ich bin das Kind der zwei höchsten Altgötter, Teutates oder Taranis den die Römer mit Mars gleichsetzten und Rigantonna oder Maternia, der Muttergöttin selbst. Meine Brüder sind der Gott der Pflanzenwelt Esus und der Gott der Unterwelt Cernnunos.

So trage ich auch den Beinamen oder Titel Rigani, was Königin heißt. Neben Lug bin ich wohl die höchste Gottheit im Pantheon der jungen Götter der Kelten.

Das Pferd steht für mein Volk der Kelten für die Fruchtbarkeit – den Hengst als Sexsymbol für Männer bezeichnet man noch heute so. Ich entwickelte mich von der Muttergöttin aus vorkeltischer Zeit, die schon seit jeher um der Fruchtbarkeit Willen angebetet wurde. Andere sagen, ich stamme aus dem Orient, auf Grund einer Namensähnlichkeit – das kann schon sein, ich komme weit herum.

Das Pferd begleitete die Kelten schon immer, darum trugen sie Hosen, genannt „braca“; im Gegensatz zu den Römern oder Griechen. Das Pferd war nicht nur ein Fruchtbarkeitssymbol, sondern auch ein wichtiger Teil der Himmelssterne, denn das Pferd zog die Sonne, die „greinda“, wie die alten Kelten dazu sagten, über den Horizont; geführt von Lug. Das alte Wort für Pferd war „marko“ und wird über die Zeit zu „Epona“.

Sex bei den Kelten

Die Kelten waren ziemlich freizügig! Sexualität war bei ihnen mit Sicherheit kein Tabu-Thema. Es war ein zentraler Moment des Lebens. Ob es der römischen Propaganda geschuldet war, dass alle (die damals bekannte) Welt dachte, dass die Kelten alles besteigen würden, was nicht bei drei auf dem Baum ist? Wo will man da die Grenze ziehen? Die Kelten wurden oftmals mit Homosexualität und dem Sex mit Kindern in Verbindung gebracht. Wer weiß was daran wahr ist, aber wenn man die Frauensterblichkeit betrachtet, die zwischen 13 und 25 am höchsten war, könnte Homosexualität eine Lösung sein… Ja, die Geburt des Kindes bedeutete oftmals den Tod der Mutter.

Üblich war es wohl auch die Tochter von Durchreisenden begatten zu lassen, damit hielt man den Genpool höher. Eine Abbildung aus Slowenien zeigt, dass die Kelten auch andere Stellungen, als die Missionarsstellung kannten, aber vieles wurde vergessen.

Spinnwirtel Handel ModeMan fand im heutigen Frankreich auch einige Spindeln, die mit durchaus erotischen Texten aufwarten, darunter „Liebes Mädchen, willst Du?“ (Geneta vis cara) oder „Ich will reiten! Maternia“ (Marcosior maternia). Und mit Maternia meint man wohl mich ;-).

Sexualität war natürlich auch ein Potenzzeichen! Zu allen Zeiten.. Der irische Zauberer Domnall Mildemail wollte seine Zaubertechnik und seinen Kampfstil vor seiner Hochzeit verbessern, dafür musste er in die Alpen reisen, so heißt es, und dort musste er sich auch der Prüfung unterziehen, ob er des Sexes und der Kinderzeugung mächtig ist!

Kommen wir zu diesem heiligen Platz, der Bussen, der bis heute als Fruchtbarkeitsplatz gilt. Das Bussa-Kindle ist noch heute Teil der Schwabenwelt. Der Berg hat daher nicht unbegründet seinen Namen! Nein, der Bussen hat nichts mit dem Busen (auf keltisch: Brunnio) zu tun, zumindest nicht ursprünglich, wobei das Wort bei den Kelten für Sex und Kuss dasselbe war! Nein, es kommt tatsächlich von buss oder budd, es heißt Kuss.

Bleiben wir bei diesen Wörtern: Das Wort für Penis ist Ballo, was schon seine Größe bewertet und später wurde der Bulle daraus, also das Tier. Auch das bringen viele in den Zusammenhang mit dem Bussen.

Die Fruchtbarkeitsgötter der Kelten

Es gab nicht nur mich als Furchtbarkeitsgöttin, derer gab es einige! Oftmals war der Kriegsgott und der Fruchtbarkeitsgott, derselbe. Das ist aber nicht so verwunderlich, so glaubte mein Volk der Kelten ja daran, dass die Seele nach dem Tod zurück ins Leben wanderte – so war Geburt und Tod kein Widerspruch. Nehmen wir den Sexgott Medrus, er war ursprünglich der Gott der Toten und dann wurde er zum Gott der listigen Kriegsführung und jetzt kennt ihn niemand mehr…

Auch ich, Epona, erfuhr einen Wandel. Am Anfang war ich eine Fruchtbarkeitsgöttin, die eindeutig weiblich war. Im Laufe der Jahrhunderte ahmten mich Krieger auf Darstellungen nach, wo sie wie ich auf dem Streitwagen sitzen.

Keltischer Wagen

Götter hatten teils auch verschiedene Funktionen gleichzeitig. Ich trage manches Mal ein Füllhorn mit mir herum – ich stand nicht nur für die Furchtbarkeit, sondern auch für Wohlstand. So waren auch all die Flussgötter teils auch Fruchtbarkeitsgötter. Der Gott der Donau, Danuvius steht mit seinen Hörnern ebenfalls für Fruchtbarkeit. Die Druiden, so denke ich, haben diese Mehrdeutigkeit der Götter absichtlich gestaltet, war es damals vielleicht auch Teil der keltischen Philosophie – ja, es ist schon lange her, ich kann mich nicht wirklich erinnern.

Ach, es gab ja auch noch Cernunnos! Ein wichtiger Gott, in Form eines Hirsches! Der Hirsch im Breisgau findet noch des Öfteren seine Darstellung. Der Cernunnos wird sich Euch aber noch vorstellen, jedenfalls hat sein Geweih die Fähigkeit sich jedes Jahr zu erneuern – ein natürlicher Vorgang der die Religion der Kelten widerspiegelt.

Aber auch andere Tiere galten den Kelten als heilig, die direkt mit Fruchtbarkeit und Sex zu tun hatten. Die Schlange, naja das Symbol erklärt sich selbst und das Widderhorn – sie waren gut für das Glück beim Sex. Außerdem galten junge Hirsche, Kälber und Stuten als Fruchtbarkeitstiere. Bei Ritualen hat man auch Eber- oder Hirschstatuen als Votivgaben geopfert. Der Eber ist eigentlich ein Kriegsgott, aber wie gesagt, die keltischen Götter waren Vielfältigkeit. Der Eber war auch ein Zeichen von Schöpfung, denn wie ein Druide einem Römer mal erklärte: Da wo dieser Baum steht, wird, fällen wir den Baum, irgendwann wieder ein neuer Baum stehen und so ist es mit den Menschen. Irgendwann kommt er wieder als Mensch zu Erde. Außerdem war der Eber auch ein begehrtes Jagdtier.

Nicht nur die großen Götter wurden um der Fruchtbarkeit willen angebetet, sondern auch die kleinen Schutzgeister: Elfen und Erdbewohner. Sie machten ebenfalls einen Wandel durch: Ursprünglich waren die kleinen Schutzgeister „Genii cucullati“, also kleine Wesen mit Umhang und Kapuze, dargestellt mit Schwert und Eiern, richtige Fruchtbarkeitsgeister. Doch mit zunehmender Bevölkerungsstärke wurden sie kurzer Hand zu Geldgeistern und heute stehen sie in den Gärten und passen auf die Blumen auf.

Ursprünglich waren wir Götter durch Sonne und Mond geteilt, doch wir kämpften um die Vorherrschaft, berichten irische Quellen und nach einer Reihe listigen und bluten Schlachten, einigten wir uns auf die Schöpfung eines neuen Gottes: Lug, er brachte zusammen was getrennt war – die solaren Götter mit der Ernte und die lunaren Götter, die das Geheimnis der Fruchtbarkeit hatten. Sein Clou war die Magie, das Wissen und das Handwerk – das er zu den Menschen brachte. Aber in Irland glaubte man auch, die Sexgöttin wäre „Fann“, was soll ich dazu noch sagen? Lug hatte mit seiner silbernen Hand, das Geheimnis der Fruchtbarkeit entdeckt.

Kunst und Fruchtbarkeit

Auch in der Kunst war die Sexualität und die Fruchtbarkeit ein wichtiger Moment. Wie bei allem waren die Kelten hier eher symbolisch unterwegs. Das Symbol für die Männer war die Schlange, der Stab, naja alles was in die Richtung geht. Auch der Tausendfüßler und andere länglichen Tiere entsprachen dem Prinzip. Was die Frau betrifft, so waren es mandelförmige Objekte, wie das Ei, der Kreis, das Auge.

Ein Symbol, das der Leier mit vier Streben, war gleichzusetzen mit der Fruchtbarkeit und mit dem Universum!

So, genug der Geschichten, ich habe noch einiges zu tun! Cotto! Was so viel heißt wie langes Leben und betet mich an, sonst werdet ihr anhil … ähm, unfruchtbar!

Literaturverzeichnis

Die nächste Station der Oberschwäbischen Keltenstraße ist unter den folgenden GPS Daten zu finden: 48.159502,9.721652, 48.159502,9.721652 (Station 7) & 48.070466,9.722921 (Station 8)

One Response to 6. Station | Epona – die Fruchtbarkeitsgöttin

  1. Monika Escobar 24. April 2016 at 17:31 #

    Verlasst euch nicht zu sehr auf Tacitus und Julius Cäsar´s Beschreibungen!

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